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Psyche (altgriechisch: ????) bedeutet Seele, Hauch, Atem, Schmetterling; Therapie (?e?ape?a) heißt: Heilung. Psychotherapie bedeutet folglich die Heilung der Seele. Viele Menschen haben Schwierigkeiten mit diesem Begriff, weil es zunächst schwer vorstellbar ist, dass es etwas geben könnte, was weder sichtbar, nach anfassbar ist. Seelisches lässt sich aber beobachten und beschreiben, und wir kennen die Auswirkungen seelischer Prozesse wie etwas Gefühle, Stimmungen, aber auch Ideen, Erkenntnisse oder gedankliche Abläufe. Unheimlich ist auch für Viele, dass seelische Prozesse vom bewussten Verstand nicht ohne weiteres zu kontrollieren und zu beeinflussen sind. Dabei ist es gar nicht so schwierig, die Seele zu verstehen. Es ist für einen erfahrenen Therapeuten sogar relativ einfach, herauszufinden, woher ein Problem kommt, wie es aufrechterhalten wird und welchen verborgenen Sinn es macht. Das eigentlich Problematische ist die Veränderung. Psychotherapie funktioniert nämlich nicht wie die Reparatur einer Maschine, bei der man fehlerhafte Teile austauscht oder lockere Schrauben anzieht. Sie funktioniert auch nicht wie die Schulmedizin, die ja essentiell davon ausgeht, dass „Krankheit“ entsteht, wenn etwas kaputt oder fehlgeleitet ist, oder zuviel oder zuwenig von etwas im Körper vorhanden ist.
Erst seit Sigmund Freud hat man begonnen, sich mit seelischen Dynamiken zu beschäftigen, um zu verstehen, warum Menschen so sind wie sie sind. Freud entwickelte seine eigene Behandlungsform, die Psychoanalyse, die das erste rein psychotherapeutische Heilverfahren der Geschichte ist. Seitdem hat es viele verschiedene Entwicklungen und Neuerungen gegeben, Forschungen, Irrwege und immer wieder neue Erkenntnisse. Diese Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Es hat seit Freud viele bedeutende Pioniere der Psychotherapie gegeben, die alle einen wichtigen Beitrag zur Psychotherapie geleistet haben. Alle diese Verfahren, die im Laufe der Zeit entwickelt worden sind, haben ihre Gültigkeit, einige mehr, andere weniger, keines sollte als das allein Seligmachende gelten. Die moderne Sichtweise ist eher die eines eklektischen Ansätzen, das Aspekte aus allen Richtungen berücksichtigt, um dem Patienten ein möglichst abgestimmte, flexible und natürlich effektive Therapie zu bieten.

Die wichtigsten Verfahren der Psychotherapie*:

Psychoanalyse nach Sigmund Freud
Komplexe Psychologie nach C.G. Jung
Individualpschologie nach Alfred Adler
Verhaltenstherapie nach Watson, Skinner, Bandura, Meichenbaum, etc.
Gesprächstherapie nach Carl Rogers
Gestalttherapie nach Fritz Perls
Transaktionanalyse nach Eric Berne
Kognitive Therapie nach Aaron Beck et alii.
Rational-emotive Therapie (RVT) nach Albert Ellis
Provokative Therapie (PVT) nach Frank Farrelly
Systemische Therapie nach Virginia Satir, Salvador Minuchin, Ivan Boszormenyi-Nagy, Mailänder Schule, Heidelberger Schule, Bert Hellinger
Hypnotherapie nach Milton H. Erickson
Logotherapie nach Viktor Frankl
Bioenergetik nach Alexander Lowen
Primärtherapie nach Arthur Janov
Neurolinguistisches Programmieren (NLP) nach Bandler und Grinder
Psychodrama nach Moreno
EMDR nach Francine Shapiro und Energetische Therapie nach Fred Gallo

*Diese Liste erhebt keine Anspruch auf Vollständigkeit. Sie umfasst die Verfahren, die ich persönlich für wichtig bzw. einflussreich halte, zunächst ungeachtet ihrer Wirksamkeit. Es sei noch bemerkt, dass es noch hunderte von Therapieformen gibt, von denen viele lediglich Abwandlungen der oben genannten sind.

© Andreas Steiner 2007